Keine Popup-Radwege für Lichtenberg

Blumen für die Bauarbeiter der Popup-Bikelane Frankfurter Allee  (Foto: Inge Lechner)
Blumen für die Bauarbeiter der Popup-Bikelane Frankfurter Allee  (Foto: Inge Lechner)

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg macht es vor: in Rekordgeschwindigkeit (3-4 Tage) werden temporäre Radwege an Hauptstraßen eingerichtet, wo es bisher keine oder nur sehr schmale Radinfrastruktur gab – sinnvollerweise dort, wo Planungen schon länger vorliegen.

Auf dem diesjährigen FahrRat im Februar haben wir noch gefordert, mit Baustelleneinrichtungen schnell Sicherheit für Radfahrende zu schaffen und sind damit auf Skepsis in der Verwaltung gestoßen (hauptsächlich rechtliche Bedenken). Jetzt hat die Senatsverwaltung rechtssichere Regelpläne aufgestellt, nach denen solche Radwege krisenbedingt schnell – ohne lange Planungsphase – umgesetzt werden könnten.

So sind wir denn auch am 8. April mit konkreten Vorschlägen für Popup-Bikelanes an das Bezirksamt herangetreten:

  • Hansastr./Falkenberger Chaussee (gerne mit Pankow koordiniert)
  • Weißenseer Weg (zwischen Konrad-Wolf-Str. und Hansastr.)
  • Landsberger Allee (hauptsächlich die Südseite, die noch unsaniert ist)
  • Frankfurter Allee (auf ganzer Länge, vor allem da, wo keine Busspuren markiert sind)
  • Treskowallee (vor allem da, wo aktuell keine Radwege existieren)
  • Hauptstraße (ab Karlshorster Str. stadtauswärts)

Nach knapp 10 Tagen kam die Antwort, dass man sich mit den Vorschlägen befassen möchte. Dem Wortlaut der Email nach zu urteilen hat das Bezirksamt erst durch uns von diesen neuen Regelplänen erfahren. Seither gab es für uns keine neuen Informationen, und nach wie vor ist nichts umgesetzt worden (seit zwei Monaten!).Über die Presse wissen wir bereits, dass eine schnelle Umsetzung von Popup-Radwegen in Lichtenberg nicht angestrebt wird. Der zuständige Stadtrat Martin Schaefer (CDU) äußert sich dazu: „Der Bezirk wird tiefgreifende Neuordnungen im Straßenverkehr nicht ohne die Einbeziehung der bezirklichen Gremien und der Bewohnerschaft veranlassen“.

Ein bemerkenswertes Vorgehen. Wenn es nach dem Lichtenberger Bezirksamt gegangen wäre, hätte sicher auch die Bevölkerung erst nach ihrer Meinung zu Corona-Maßnahmen befragt werden müssen. Klingt nicht nach tatkräftiger Krisenbewältigung.

Die Meinung des Netzwerks kennt Herr Schaefer schon, denn von uns aus hätte es im Februar schon losgehen können mit provisorisch geschützten Radstreifen. Damals hat Herr Schaefer eine Liste mit den dringlichsten Stellen erbeten – siehe oben. Wie lange müssen also Lichtenberger Radfahrer*innen noch auf krisensichere Wege warten? Wir sind gespannt auf die weiteren Gespräche!