Rechts abbiegen mit Todesfolge – Brief an die politischen Entscheidungsträger*innen

Stadtrat Schaefer während der Mahnwache
Stadtrat Schaefer während der Mahnwache

Es ist wieder passiert: Ein LKW-Fahrer biegt rechts ab und überfährt dabei einen geradeaus fahrenden Radfahrer. In diesem Fall von der Rhinstraße kommend auf die Landsberger Allee Richtung Westen. Der 47-jährige starb noch an der Unfallstelle. Das war am 18. Mai. Es ist der dritte Mensch, der seit März auf dieser Straße starb. Und der sechste Radfahrende in Berlin.

Trotz gegenteiliger Beteuerungen und eines Gesetzes, das unverzügliche Maßnahmen nach schweren Unfällen und Todesfällen festgeschrieben hat, ist es wieder passiert. Und es passiert wieder: Nichts. 

Zumindest ist das zu befürchten.

Am 19. Mai sind viele Menschen an der Unfallstelle zu einer Mahnwache versammelt – eigentlich dürfen es nur 50 sein. Ebenfalls anwesend ist Bezirksstadtrat Martin Schaefer. Denis Petri von Changing Cities formuliert die Gefühle der Anwesenden: Wie immer bei diesen Anlässen mischen sich Trauer und Wut. Die Wut wird größer. Die Worte bitterer.

Sicherlich ernst gemeinte Bekundungen verpuffen derweil im politischen Alltagsgeschäft – und verantwortliche Politiker*innen und Verwaltungsangestellte können sich auf „prüfen, planen, mit einander sprechen” und die sogenannte “Verhältnismäßigkeit der Mittel“ herausreden.

Fakt ist: Es stehen verhältnismäßige, effektive, unverzüglich anzuordnende, rechtssichere Maßnahmen zur Verfügung. Jede Baustelle bekommt sie und kann damit innerhalb von Stunden eingerichtet werden. Einmal eingerichtet bleiben sie nicht selten Monate oder gar Jahre bestehen, für private und öffentlich Bauunternehmen sind diese Dinge kein Problem, und es ist auch für die Verwaltung kein Problem sie anzuordnen.

Erklären Sie diesen Unterschied den Hinterbliebenen – und erklären Sie uns allen, warum es unzumutbar sein soll, einen LKW mit einem Abbiegeassistenten auszustatten – für ein Promille des Kaufpreises. Oder einen Radstreifen einzurichten, der die Spuren von Kraftwagen und nicht-motorisierten Menschen trennt. Für einen Bruchteil der Mittel, und Zeit, die für Planung und Einrichtung finaler Baumaßnahmen eingesetzt werden müssen. Mit dem Vorteil aus den Erfahrungen zu lernen und die geeignetste Maßnahme verstetigen zu können, so wie es Friedrichshain-Kreuzberg gerade exerziert.

Fehler sind menschlich – aber Untätigkeit ist in diesem Fall unmenschlich.

Changing Cities setzt sich nicht nur bei Mahnwachen zusammen mit dem ADFC, dem VCD und vielen Menschen für eine sichere, fehlerverzeihende Infrastruktur ein. Das Mobilitätsgesetz schreibt den Ausbau in Berlin im Sinne der Verkehrswende vor. Friedrichshain-Kreuzberg MACHT es einfach: Es ist nicht leicht, aber es ist möglich – und es hängt offenbar an einzelnen Menschen, die sich nicht hinter der Masse verstecken, sondern die Möglichkeiten ihres Amtes im Sinne der gefährdeten und ungeschützten Verkehrsteilnehmer*innen nutzen.

Und das sind am Ende Kinder. Kinder denen die Möglichkeit der gesunden Bewegung genommen wird, weil die „zu gefährlich“ ist. Kinder, denen Angehörige genommen werden. Kinder, die selber zu Schaden kommen. Und Kinder, deren Zukunft bedroht ist durch Klimawandel und Luftverschmutzung. Kinder stehen hier als besonders schutzwürdige Menschen natürlich nur stellvertretend für alle. In letzter Zeit waren gerade ältere Menschen zu Fuß am häufigsten als Opfer von „autogerechter Infrastruktur“ zu beklagen. Der zuletzt Getötete wurde 47 Jahre alt.

Corona deckt auf, wo die Grenzen unserer Kontrollmöglichkeiten sind – Corona zeigt uns aber auch neue Handlungsspielräume. Nein, das ist keine Verschwörungstheorie, das ist eine Frage des Gewissens und der Prioritäten. Und es ist Ihre Pflicht darauf zu reagieren, sehr geehrte Damen und Herren Verkehrspolitiker*innen und Verwaltungsangestellte. Allen voran Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und in Ihrem Bezirk sind es Sie, Herr Stadtrat Schaefer, zusammen mit Ihnen, Herr Bürgermeister Grunst.

Angst-Ecke / Gutgemacht-Stelle

Radfahrer*innen willkommen in der EDEKA-Filiale Franz-Jacob-Straße (Foto: Bertus)
Radfahrer*innen willkommen in der EDEKA-Filiale Franz-Jacob-Straße (Foto: Bertus)

Lob an die EDEKA-Filiale im Fennpfuhl. Das Team aus dem Supermarkt hat bemerkt, dass Kunden zunehmend mit dem Fahrrad zum Einkaufen kommen. Letzten Winter wurde ein wackeliger Radständer gegen dieses robuste Exemplar ausgetauscht. Die Kunden machen jetzt dankbar Gebrauch davon. Vielleicht ist bald sogar eine Erweiterung erforderlich.

Mit jedem Newsletter bringen wir eine Ecke Lichtenbergs ins Blickfeld, die uns glücklich macht oder die uns im Gegenteil Angst macht. 

Machen Sie mit und senden Sie Ihr Bild mit einer kurzen Beschreibung an info@radbezirk-lichtenberg.de.

Auf Lichtenberger Straßen – Eckhard Gauterin

Eckhard Gauterin auf dem Freiraumwunder (Foto: Privat)
Eckhard Gauterin auf dem Freiraumwunder (Foto: Privat)

Ab sofort stellen wir in jedem Newsletter eine*n Lichtenberger*in vor. Mal ein Mitglied unseres Netzwerks, mal eine*n Nachbar*in, Landes- oder Bezirkspolitiker*in oder Anwohnende. Wesentlich: Wir sprechen über ein lebenswertes Lichtenberg und was es dafür braucht.

Heute im Interview: Eckhard Gauterin. Eckhard (47) forscht seit vielen Jahren im Bereich der  Windenergienutzung. Insofern hat er schon von berufswegen viel Erfahrung mit Strömungswiderständen und Auftriebskräften gesammelt. Als fahrradfahrender Vater engagiert er sich am Berliner Ostkreuz mit dem „Freiraumwunder“ und der „Bürger*innen-Initiative Kaskel-Kiezblocks“ für die Rückeroberung des Straßenraums für Fußgänger*innen und Radfahrende.

• Seit wann fährst Du Fahrrad?

Wenn ich mich recht erinnere, bin ich mit vier Jahren das erste mal Fahrrad gefahren; auf einem feuerroten Kinderrad und von Anfang an ohne Stützräder, aber mit vielen blauen Flecken.
 

• Wo wohnst Du ungefähr? 

Ich wohne seit rund 25 Jahren am Ostkreuz und bin jeden Tag mit dem Rad und zu Fuß unterwegs. 
 

• Was bedeutet das Radfahren für Dich? 

Freiheit und Entspannung ohne Fahrplan und Drängler – am liebsten auf grünen Wegen ohne Autos. 
 

• Welche Verkehrsmittel nutzt Du noch?

„Schusters Rappen“, ab und zu die „Öffentlichen“ und die Bahn, aber immer seltener einen Leihwagen – seit es die fLotte (kostenlose Lastenräder für Berlin) gibt.

• Welche Ziele sind Dir besonders wichtig?

Mit dem Freiraumwunder, der mobilen Sitzbank für den Straßenraum, die Straßen für Menschen ohne Autos zurückzugewinnen.

• Was ist für Dich eine lebenswerte Stadt?

Eine Stadt, in der deutlich mehr Platz für Fußgänger*innen und Radfahrende ist und in der Autofahrer*innen dies auch mit einem freundlichen Lächeln ertragen können.

• Wann macht die Arbeit besonders Spaß?

Als wir neulich mit dem Freiraumwunder auf der Warschauer Straße unterwegs waren, überholte uns ein Lieferwagen und der Fahrer fragte, ob wir nicht die Fahrzeuge tauschen könnten – Verkehrswende geht also doch, und sie fängt bei jeder*m Einzelnen an!

• Welche Stelle in Lichtenberg ist jetzt definitiv zu gefährlich?

Die Straßen rund ums Ostkreuz. Ich wünsche mir, dass diese z.B. von Kindern sicher und entspannt zu Fuß gekreuzt und mit dem Fahrrad genutzt werden können. Dazu sollten kurzfristig temporäre, geschützte Radwege, sichere Kreuzungen sowie mehr Fuß- und Radüberwege mit langen Ampelphasen eingerichtet werden. Warum nicht auch die Kynastbrücke ausschließlich dem Fuß- und Radverkehr widmen?

• Was würdest Du für Fußgänger*innen gern verbessern?

Es gibt einen tollen Film vom ersten Superblock in Barcelona, der zeigt, dass Autos innerhalb dieser Quartiere tatsächlich nur noch Gäste sind – da wäre ich gerne Gastgeber.

• Welche grundlegenden Veränderungen wünschst Du Dir für Lichtenberg bis 2030? 

Das vermeintliche Motto des familienfreundlichen Bezirks auch mal konsequent und beherzt im Straßenraum umzusetzen.

Freiraumwunder aus Lichtenberg erobert Raum für ganz Berlin

Auf dem Weg zum Autogipfel (Foto: Norbert Michalke)
Auf dem Weg zum Autogipfel (Foto: Norbert Michalke)

Es ist eine auffällige kleine Gruppe, die den 11 km langen Weg von Lichtenberg zum Kanzleramt antritt. Ein Teil des kleinen Teams der innovativen Freiraumwunder-Bauer*innen zieht den bunten Handwagen zusammen mit einem Team von Changing Cities größtenteils auf den breiten Berliner  Straßen, denn dafür ist das Freiraumwunder gebaut: Raum für nicht motorisierte Menschen befreien.

Die Lichtenberger*innen wollen damit auf ihr Anliegen hinweisen, den Kaskelkiez vom Durchgangsverkehr zu befreien und langfristig zu einem Kiezblock zu machen. Zusammen mit dem Aktionsteam von Changing Cities wollen sie damit aber auch in ganz Berlin für #FaireStraßen sorgen, und bundesweit soll endlich Schluss sein mit der Bevorzugung der Auto-Industrie.

Das Freiraumwunder bietet nämlich serienmäßig Platz für Menschen jeden Alters, es wird umweltfreundlich gezogen, und es ist einfach schön. Beim Autogipfel am 5. Mai fordert es zusammen mit einem breiten Bündnis das Ende der Abwrackprämien und eine Mobilitätsprämie für alle. 

Auch wenn es nur ein Double (Robert Rating) von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer war, der die Vorzüge des “Gehfährts” beim Autogipfel vor dem Kanzleramt gleich erkannt hat: Hinter den Kulissen wird hoffentlich schon über eine Kaufprämie für kiezeigene Freiraumwunder verhandelt. Und das finden dann sicherlich das Double von Peter Altmeier und das von Jens Spahn gut: MobilitätsPrämien für alle, für eine zukunftsfähige und gesunde Wirtschaftsförderung! 

Keine Popup-Radwege für Lichtenberg

Blumen für die Bauarbeiter der Popup-Bikelane Frankfurter Allee  (Foto: Inge Lechner)
Blumen für die Bauarbeiter der Popup-Bikelane Frankfurter Allee  (Foto: Inge Lechner)

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg macht es vor: in Rekordgeschwindigkeit (3-4 Tage) werden temporäre Radwege an Hauptstraßen eingerichtet, wo es bisher keine oder nur sehr schmale Radinfrastruktur gab – sinnvollerweise dort, wo Planungen schon länger vorliegen.

Auf dem diesjährigen FahrRat im Februar haben wir noch gefordert, mit Baustelleneinrichtungen schnell Sicherheit für Radfahrende zu schaffen und sind damit auf Skepsis in der Verwaltung gestoßen (hauptsächlich rechtliche Bedenken). Jetzt hat die Senatsverwaltung rechtssichere Regelpläne aufgestellt, nach denen solche Radwege krisenbedingt schnell – ohne lange Planungsphase – umgesetzt werden könnten.

So sind wir denn auch am 8. April mit konkreten Vorschlägen für Popup-Bikelanes an das Bezirksamt herangetreten:

  • Hansastr./Falkenberger Chaussee (gerne mit Pankow koordiniert)
  • Weißenseer Weg (zwischen Konrad-Wolf-Str. und Hansastr.)
  • Landsberger Allee (hauptsächlich die Südseite, die noch unsaniert ist)
  • Frankfurter Allee (auf ganzer Länge, vor allem da, wo keine Busspuren markiert sind)
  • Treskowallee (vor allem da, wo aktuell keine Radwege existieren)
  • Hauptstraße (ab Karlshorster Str. stadtauswärts)

Nach knapp 10 Tagen kam die Antwort, dass man sich mit den Vorschlägen befassen möchte. Dem Wortlaut der Email nach zu urteilen hat das Bezirksamt erst durch uns von diesen neuen Regelplänen erfahren. Seither gab es für uns keine neuen Informationen, und nach wie vor ist nichts umgesetzt worden (seit zwei Monaten!).Über die Presse wissen wir bereits, dass eine schnelle Umsetzung von Popup-Radwegen in Lichtenberg nicht angestrebt wird. Der zuständige Stadtrat Martin Schaefer (CDU) äußert sich dazu: „Der Bezirk wird tiefgreifende Neuordnungen im Straßenverkehr nicht ohne die Einbeziehung der bezirklichen Gremien und der Bewohnerschaft veranlassen“.

Ein bemerkenswertes Vorgehen. Wenn es nach dem Lichtenberger Bezirksamt gegangen wäre, hätte sicher auch die Bevölkerung erst nach ihrer Meinung zu Corona-Maßnahmen befragt werden müssen. Klingt nicht nach tatkräftiger Krisenbewältigung.

Die Meinung des Netzwerks kennt Herr Schaefer schon, denn von uns aus hätte es im Februar schon losgehen können mit provisorisch geschützten Radstreifen. Damals hat Herr Schaefer eine Liste mit den dringlichsten Stellen erbeten – siehe oben. Wie lange müssen also Lichtenberger Radfahrer*innen noch auf krisensichere Wege warten? Wir sind gespannt auf die weiteren Gespräche!

Bezirksbürgermeister und die Verkehrswende

Unser Bürgermeister Michael Grunst äußert sich in seinem Podcast vom 5. Juni unter Anderem zum Thema Verkehrswende in Lichtenberg. Das begrüßen wir.

Was uns allerdings wundert: Im Bezug auf die Popup Radwege kritisierte er noch die fehlende Bürger*innenbeteiligung und moniert, dass der motorisierte Individualverkehr auf der Frankfurter Allee durch den zuletzt eingerichteten Popup-Radweg (dauerhaft) beschnitten werde.

Jetzt kündigt er einen Radschnellweg entlang der Frankfurter Allee an, der gemeinsam mit den Nachbarbezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Marzahn-Hellersdorf vom Bezirk geplant werden solle.

Dabei ignoriert er, dass es bereits Vorplanungen für einen Radschnellweg durch die Senatsverwaltung gibt. Inklusive Bürger*innenbeteiligung, von der wir auch berichtet haben. Wir wissen – und also sollte auch der Bürgermeister wissen –, dass die Lichtenberger Behörden bereits involviert sind.

Anstatt also die Verbesserung der Radinfrastruktur anzugehen, die in die Verantwortlichkeit des Bezirks fallen, kündigt der Bezirk Parallelplanungen zur Senatsverwaltung an. Gleichzeitig werden die Möglichkeiten von temporärer, kurzfristig umsetzbarer Radinfrastruktur in Lichtenberg nicht genutzt und von den Verantwortlichen sogar bewusst verzögert. Auch lange geplante, finanzierte und angekündigte Radverkehrsprojekte werden einfach nicht umgesetzt. Was also ist hier die Strategie? 

Wir wollen konkrete Maßnahmen sehen und keine endlosen Planungen, die aufgrund von fehlender Zuständigkeit im Sande verlaufen – das sind Ablenkungsmanöver und das Gegenteil von Bürgerbeteiligung. So viel Ehrlichkeit muss sein.

Podcast Bürgermeister Grünst

Mehr Mobilität statt mehr Verkehr

Wie der Tagesspiegel berichtet, hat der Senat jüngst einen Bericht zur Bevölkerungsprognose bis 2030 für Berlin beschlossen. So sollen bis dahin 180.000 Menschen mehr als heute in der Stadt leben. 140.000 mehr Menschen werden bereits bis 2025 erwartet.

Doch die Bezirke wachsen nicht gleichmäßig: Während in Charlottenburg-Wilmersdorf das Bevölkerungswachstum nur 0,3% betragen soll, soll der Spitzenreiter Pankow um 11% zulegen. Lichtenberg rangiert im Bezirksvergleich auf Rang 3 – bei einem Plus von 7,8%!

Klar ist aber, dass für diese vielen Neu-Lichtenberger*innen auch gute Mobilitätsangebote geschaffen werden müssen. Ein weiterer Anreiz für den Bezirk, endlich mehr für den Umweltverbund zu tun und sichere Wege für den Fuß und Radverkehr zu schaffen! Eine Planung wie an der Rummelsburger Bucht passt dazu in keiner Weise.   

Zwischenruf: Zukunft bauen ohne Infrastruktur?

Bild aus dem Tagesspiegel “Kiezkamera”

Der Lichtenberg-Newsletter des Tagesspiegel berichtet über ein geplantes Bauprojekt an der Rummelsburger Bucht. Nahe dem Kraftwerks Klingenberg entsteht bis 2022 ein weiterer Bürokomplex mit 4000 Arbeitsplätzen. Dass hier für die Zukunft gebaut wird, zeigt sich nicht nur im futuristischen Design des Baus. So entstehen Duschen und Umkleideräume, Ladestationen für e-bikes, und hauptsächlich Stellplätze für Fahrräder und nicht für Autos.

Schade nur, dass die Hauptverkehrsachse vor der Haustür, die Köpenicker Chaussee/Hauptstraße, welche die einzige Verbindung in Richtung Ostkreuz und Innenstadt darstellt, keinen durchgehenden Radweg aufweist. Und auch die Straßenbahn hält hier nur alle zwanzig Minuten. Eine Taktverdichtung kommt – wenn überhaupt – erst mit der Tram- und Bus-Anbindung an das Ostkreuz. Doch deren Baubeginn steht noch in den Sternen. In Anbetracht tausender geplanter Wohnungen in Karlshorst und weiterer Gewerbe- und Wohnungsneubauten in der Nähe ist das fahrlässig: Gefahren und Konflikte sind vorprogrammiert. 

Es zeigt sich einmal mehr: Wir brauchen in Rummelsburg und am Ostkreuz dringend durchgehende geschützte Radwege, mehr Straßenbahnen und vor allem: eine vorausschauende Verkehrsplanung!

#FaireStraßen – Petition: Verkehrswende ist Gesundheitsfürsorge

Erster temporär eingerichteter Radstreifen 

Seit ein paar Wochen hocken viele von uns zu Hause und wir bewegen uns ungewohnt wenig. Wenn wir doch zur Arbeit fahren, einkaufen müssen, spazieren oder joggen gehen, merken wir plötzlich in aller Deutlichkeit, wie wenig Platz dem Fuß- und Radverkehr auf unseren Straßen zugeteilt ist. Diese ungerechte Verteilung muss als Teil der Pandemie-Notfallmaßnahmen jetzt dringend geändert werden – denn in diesen Wochen geht es um unser aller Gesundheit! 

Wir starten deswegen die bundesweite Petition #FaireStraßen. Die Öffentlichkeit, vor allem aber Politik und Verwaltung, soll dafür sensibilisiert werden, dass pandemietaugliche, sichere Mobilität und ansteckungsfreie öffentliche Räume unabdingbar sind. 

Wir brauchen Eure Hilfe!

Um Verwaltung und Politik zu erreichen, brauchen wir 50.000 Unterschriften, sodass uns niemand ignorieren kann. Wir bitten außerdem alle Unterzeichner*innen der Petition, ihren Bürgermeister*innen provisorische #FaireStraßen vorzuschlagen. 

Verbreitet bitte die Petition in der nächsten Zeit, damit sichere und ausreichende Bewegungsmöglichkeiten für Menschen überall in Deutschland in den kommenden Wochen Realität werden. Und teilt uns auf jeden Fall mit, wenn bei Euch #FaireStraßen umgesetzt werden. Vorbilder sind im Moment das A und O, weil sie andere inspirieren können!  Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Pandemie-Bekämpfung und zur Verkehrswende.

Fahrradparkhaus “Treskowallee” am S-Bahnhof Karlshorst

Die potentielle Fläche für das Fahrradparkhaus (Foto: OpenStreetMap)

Derzeit gibt es am S-Bahnhof Karlshorst deutlich zu wenige Abstellplätze für Fahrräder. Ein Ärgernis, sowohl für Fahrradfahrer*innen, als auch Fußgänger*innen, welche sich den ohnehin schon geringen Platz mit den überall abgestellten Fahrrädern teilen müssen.

Aber auch ohne die zahlreichen Baustellen rund um den Bahnhof wären es viel zu wenige. So standen Mitte 2019 den 27.500 Karlshorster*innen nur ca. 550 Abstellplätze am Bahnhof zur Verfügung. Die weiteren Planungen von Neubaugebieten speziell in Karlshorst Ost, mit über 2000 Wohneinheiten durch die Bauvorhaben Gartenstadt, HOWOGE und GEWOBAG, werden das Problem entsprechend verschärfen.

Insgesamt werden in Karlshorst in den nächsten Jahren bis zu 5000 neue Wohneinheiten gebaut. In allen Planungen, nicht zuletzt im Berliner Mobilitätsgesetz von 2018, wird dem Fahrradverkehr eine immer größere Bedeutung beigemessen. Das Wohnungsbauunternehmen GEWOBAG plant so für ihr Bauvorhaben bereits über 1400 neue Fahrradstellplätze ein.

Ein Großteil des Verkehrs in Karlshorst, insbesondere der Pendlerverkehr, sollte somit zukünftig mit dem Fahrrad erfolgen – speziell zum S-Bahnhof Karlshorst, welcher für die Berufspendler extrem wichtig ist. Es werden daher dringend neue Fahrradabstellplätze benötigt. Die wenigen verfügbaren Flächen am S-Bahnhof Richtung Carlsgarten wurden und werden jedoch bebaut und fehlen somit für die Verkehrsinfrastruktur.

Die gute Nachricht ist aber: Es gibt noch eine letzte freie Fläche. Ideal gelegen zwischen nordwestlichen Eingang des Bahnhofs, der örtlichen Sparkasse und dem zentralen Autoparkplatz des Kulturhauses Karlshorst und der hiesigen Supermärkte existiert noch eine unbebaute Brache. Es ist das Grundstück Treskowallee 112, welches (ganz so wie das Kulturhaus) dem Investor Holst City Projekte GmbH & Co. KG gehört. Auf dieser verhältnismäßig kleinen Fläche (ca. 10 m x 25 m) könnte ein relativ großes Fahrradparkhaus gebaut werden, das sicheren Platz für bis zu 160 Fahrrädern bieten könnte.

Damit diese Chance für ein so dringend  benötigtes Fahrradparkhaus nicht ungenutzt verstreicht, wurde auf der Bezirksverordnetenversammlung im Februar eine entsprechende Einwohner*innenfrage formuliert.

Die Idee eines Fahrradparkhauses wurde fraktionsübergreifend für gut befunden und eine Weiterverfolgung einstimmig beschlossen. Im Ergebnis hat sich die SPD Fraktion der Angelegenheit angenommen. Das zuständige Bezirksamt solle prüfen, ob am S-Bahnhof Karlshorst ein Zwei-Etagen-Fahrrad-Parksystem, überdacht und videoüberwacht, gebaut werden kann.

Dabei wird sicher auch auf die Erkenntnisse der GB infraVelo GmbH, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Grün Berlin GmbH, zurückgegriffen. Die Experten kamen zum selben Ergebnis und empfehlen ein Fahrradparkhaus exakt auf dieser Fläche. Wollen wir hoffen, dass der Bezirk den Investor von der Idee überzeugen kann und das Fahrradparkhaus Treskowallee schon bald realisiert wird.

Wir vom Netzwerk Fahrradfreundliches Lichtenberg werden an der Sache dranbleiben und entsprechend informieren.

Aktuelle Brachfläche zw. S-Bhf und Sparkasse (Foto: Volker Kühnhold)